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Der etwas andere Roadtrip

Titelbild - Der etwas andere Roadtrip von C. Keßler
(Alle Bilder im Bericht können durch Anklicken vergrößert werden)

Es ist Mittwoch und die letzten Vorbereitungen laufen. Ich sitze vor dem Rechner und checke zum letzten Mal den Wetterbericht für den Norden. Es soll ein verregnetes Wochenende werden, was mich jedoch nicht davon abhält Sonnenmilch und Sonnenbrille einzupacken. Optimist muss man sein!!

Eine Hand voll Boilies

platzDie Basis...

Donnerstag halb sechs in Deutschland - Ich sitze im Auto und bin auf dem Weg ins schöne Ostfriesland. Wie lange ich bleiben werde ist mir selbst überlassen. Doch sicher ist: Ich werde nicht ohne Fangmeldung heim kommen.
Nach gut zwei Stunden Fahrt nehme ich die Abfahrt Leer-Nord. Meine erste Station sollte Harald sein wo 20 Kilogramm feine friesische Murmeln auf mich warteten. Nach herzlicher Begrüßung tranken wir erstmal einen Cappuccino und quatschten worüber Karpfenangler nun mal quatschen.

Die Basis für eine erfolgreiche Session hatte ich nun schon mal im Gepäck, wobei zusätzliche ca. 15Kg Partikel und 10kg Tigers für ein paar Tage reichen sollten.

Zweite Station: Der Entlastungspolder in Leer
Schon zuhause hatte ich mir überlegt, mal ein neues Gewässer zu befischen. Dabei hatte ich mir den Entlastungspolder ausgesucht. Es wird so viel drüber gesprochen und nun wolle ich mir selbst ein Bild davon machen.
Am Polder angekommen besorgte ich mir erstmal einen Erlaubnisschein für genau zwei Tage. Dabei wurde ich freundlich drauf hingewiesen doch bitte nicht vor dem Hotel zu angeln, da dieses Uferstück nur für Hotelgäste genutzt wird. Hatte ich mir auch gar nicht vorgenommen, da ich in Ruhe fischen wollte.

Naja, zuerst machte ich mir ein Bild vom Polder, wobei ich erstmal einen Schock bekam. Einfach eine Sauerei, wie viel Müll Leute hinterlassen - Einfach zum Kotzen!!! Da braucht man sich nicht zu wundern, dass das Fischen am Polder eingeschränkt wird (werden muss!!!).

Die Angelstelle

platzEine gute Wahl?

Neugierige Kühe

platzImmer dabei!

Chris mit 15-Pfünder

platzVersöhnliches Ende

Nichts desto trotz entschied ich mich für einen Platz am Rande des Waldstückes, da die überhängenden Bäume und das gegenüberliegende Ufer sehr interessant schienen.

Da mich Harald schon vor den Krabben gewarnt hatte, wollte ich meine Futtermenge erstmal auf ein paar Boilies und Pellets begrenzen um die Krabbler nicht in Massen am Platz zu haben.
Meine Taktik sah wie folgt aus: Zwei Ruten fischte ich direkt an den Bäumen entlang und die andere lag unmittelbar vor einem Busch am gegenüberliegenden Ufer.
Es war schon dunkel als ich mich hinlegte. Vieles schwirrte durch meinen Kopf, wie das nun mal ist an einem neuen Gewässer.

Die erste Nacht...
Kurz gesagt… meine erste Nacht war beschissen: Ich fing vier Brassen bis vier Kilogramm und hatte eine Ratte im Zelt die mich die Nacht auf Trab hielt.
Ich nahm morgens gerade Pancakes mit Marmelade zu mir, als die Rute am Baum ablief.. Endlich nach der unruhigen Nacht tat sich was Gutes. Ich nahm die Rute auf und begann direkt Druck auszuüben, da der Fisch direkt unter die Bäume flüchtete. Ich schaffte es nicht die Flucht abzufangen und der Fisch setze sich fest.
Irgendwie hatte mich das Unglück gepackt. Erst die Ratte und die netten Beifänge und jetzt auch noch das – „Kopf hoch… Shit happens!", dachte ich mir und legte alle drei Ruten neu aus. Das tat ich alle vier Stunden, da die Krabben sehr aktiv waren.

Den ganzen Tag über blieb es nun ruhig und ich beschäftigte mich mit meinem DVB-t Gerät was nach zwei Stunden Sendersuche auch seinen Geist aufgab. Die letzte Nacht brach an.
Nach einem ausgewogenem Essen – in diesem Fall Tortellini mit Sahne-Sauce - legte ich mich schlafen.

Es ist früh am Morgen, ich trinke gerade einen Kaffee als… die Rute die am gegenüberliegenden Ufer liegt abrennt! Rute abgenommen und der Drill kann beginnen. Da ich den Fisch im Freiwasser drillte kam, es diesmal zu keinen Komplikationen und ich konnte kurze Zeit später einen Spiegler mit 15 Pfund landen.
Am Ende hatte der Polder es also doch noch gut mit mir gemeint. Ich baute mit gemischten Gefühlen ab, aber eins wusste ich: Es wird ein Comeback geben! Der starke Regen erschwerte mir nun auch noch den Abbau, aber nach gut einer halben Stunde lag alles an seinem Platz im Auto und ich verließ den Polder...


Gewässerwechsel - Auf zum Timmeler Meer
Ich sitze im Auto und mache mir Gedanken wie ich an dem nächsten Gewässer vorgehen werde.. Mein nächstes Ziel sollte das Timmeler Meer sein. Die Wahl fiel auf dieses Gewässer, da sich dort die Monate Juli und August als die fischreichsten Monate in meinem Fangbuch erwiesen hatten. Angekommen wollte ich mir erstmal einen Überblick verschaffen, ob noch andere Angler ansitzen. Es war wenig los - genauer gesagt: Nichts! Aber bei den Wetterverhältnissen war das auch kein Wunder.

Es regnete immer noch und es stürmte heftigst, was für mich bedeutete, dass ich eine Stelle wählen würde auf die der Wind steht. Die Entscheidung fiel schnell auf einen Platz am nördlichen Ufer. Nachdem die Behausung stand, begann ich mit der Lotrute die Kante zu finden, die sich schnell auf etwa 50 Meter Entfernung ausmachen ließ. Dort ging es von 1,10m auf 2,80m ab. Ich war fest davon überzeugt, dass die Fische dort fressen werden. Das Füttern verlief schnell, da ich mit wenig Futter erstmal gucken wollte wie die Fische reagieren.

Blick auf die Armbanduhr

platzBeißzeit?

Chris mit 16-Pfünder

platzGuter Start - 16 Pfund

Angelstelle am neuen Gewässer

platzAm Timmeler Meer

Leuchtender Bissanzeiger im Dunkeln

platzEs tut sich was...

24er Schuppi

platzEin guter Fisch!

Da es noch relativ früh war und ich über die Jahre hinweg gemerkt habe, dass die heißen Phasen die Nacht und Morgenstunden sind, sorgte ich erstmal für das eigene Wohl.

Gegen 20.00 Uhr brachte ich die Ruten aus. Eine Rute fischte ich direkt im Futterfeld und die anderen beiden jeweils außerhalb.



Dauerton!
Es ist halb sechs am Morgen…auf einmal Dauerton! Es ist die mittlere Rute. Nach ein paar starken Fluchten lag ein 16 Pfund schwerer Schuppi auf der Matte. Da es schon hell war wollte ich den Fisch nicht einsacken und machte sofort ein paar Fotos.

Ich wollte nur die heißen Phasen ausnutzen daher verbrachte ich den Rest des Tages in den schönen Niederlanden - genauer gesagt in Groningen. Allen die mal von außerhalb kommen, kann ich die Stadt nur empfehlen.

Gegen Mittag machte ich mich dann auf den Heimweg um erneut eine Nacht am Timmeler Meer zu fischen. Das Wetter war wie am Tag zuvor, windig und regnerisch. Doch der Wind stand wieder mal genau richtig. Nun, nachdem ich gegen 19.00 Uhr alles stehen hatte machte ich die Ruten klar.

Es war eine halbe Stunde vor Mitternacht, ich schaute das letzte Mal aus dem Zelt als plötzlich die mittlere Rute wieder ablief. Schnell aus dem Schlafsack und es konnte wieder los gehen. Der Fisch zog zügig in Richtung Seemitte. Doch plötzlich kein Kontakt mehr?! Was war passiert?! Ich musste erstmal realisieren das ich schon wieder einen Karpfen verloren hatte.
Nun stand ich da und hatte das Rig in der Hand..schaute mir den Haken an doch es war alles in Ordnung. Ich bestückte die Rute also neu.

Ich liege wieder auf dem Bedchair und rauche mir erstmal gemütlich eine Zigarette. Ich versprach mir nicht mehr viel von der Nacht, da durch den verlorenen Fisch Unruhe am Spot gewesen war. Also hieß es auf die Morgenstunden hoffen.

Drill im ersten Tageslicht...geil!
Es ist früh am Morgen und ich döse noch gemütlich als sich plötzlich etwas tut...ran an die Rute! Der Morgen war gerade dabei die ersten Sonnenstrahlen durch zu lassen, einfach geil diese Stimmung. Doch ich hatte keine Zeit diesen Augenblick lange zu genießen: Mein Gegenüber zog am anderen Ende der Schnur langsam seine Bahnen.
Ich wollte diesen Fisch nicht verlieren und drillte äußerst vorsichtig. Ich hatte Mühe den Fisch vom Grund weg zu bekommen. Nach etwa zehn Minuten sah ich den Fisch zum ersten Mal an der Oberfläche. Es war ein guter Fisch für dieses Gewässer. Ich nahm den Kescher und schob ihn langsam unter den Fisch.

Die ganze Anspannung viel von mir ab! Ich löste den Haken noch im Kescher wobei das Kombi-Rig perfekt im Maul saß. 24,2 Pfund zeigte die Waymaster an. Die Freude war riesig. Weil von diesen Exemplaren schwimmen nicht sehr viele im Timmeler Meer herum. Ich sackte den Fisch kurz ein um die Kamera vorzubereiten. Per Selbstauslöser schoss ich ein paar schöne Fotos und entließ den Fisch wieder in sein Element. Um runter zu kommen trank ich erstmal ein Kaffee und genoss eine Zigarette.

Noch ein 15er Schuppi

platz...und noch einer!

PVA-Montage

platzTaktik: Wenig Futter per PVA

Chris steht abends am Gewässer

platzAuf Motivsuche

Chris im Faltboot unterwegs

platzErleichterung: Mit dem Boot unterwegs

24er Schuppi

platzIm Dauereinsatz wegen Regenwetter

Nun wollte ich mehr!
Eine halbe Stunde nachdem ich den Fisch zurückgesetzt hatte bekam ich erneut einen Run…so wollte ich es haben und nahm sofort Kontakt auf. Nach kurzem Drill konnte ich erneut einen Schuppi von 15 Pfund zum Fototermin bitten.

Ich machte mir nun Gedanken über die letzten zwei Nächte und konnte zufrieden sein. Durch den gestiegenen Angeldruck ist es nämlich spürbar schwerer geworden hier einen Fisch zu überlisten.

Doch es bahnte sich ein Wetterumschwung an was nichts Gutes bedeutete. Das würde heißen das die Fische vielleicht das Fressen erst Mal einstellen. Dies bekam ich auch zu spüren und blankte zwei Nächte lang. Nun hieß es umdenken. Ich beschränkte meine Futtermenge um erstmal zu schauen wann die Fische wieder anfangen zu fressen.



Zeit für mein zweites Hobby
Den Tag über verbrachte ich mit Fotografieren was für mich zu einem zweiten Hobby geworden ist. All diese schönen Dinge die man am Wasser erlebt einzufangen. Man ist ständig auf der Suche nach neuen Motiven. Probiert es mal aus!!!

Am fünften Tag lieh mir ein Freund sein Boot, was mir das Ausbringen der Montagen erleichtern würde. Ich wollte wie folgt vorgehen: Um heraus zu finden ob die Karpfen wieder fressen, brachte ich die Montagen jeweils mit dem Boot raus und fütterte je Rute ein paar Partikel und eine Handvoll Boilies nach.
Damit wollte ich erreichen, dass wenn die Karpfen wieder in Fresslaune sind auf wenig Futter stoßen und ich sie dadurch schneller an den Haken bringen kann.

Doch auch in der nächsten Nacht tat sich wieder nichts außer ein paar Krabbenaktionen. Am frühen Morgen bekam ich dann zwar noch einen Run, bei dem sich die Freude jedoch in Grenzen hielt als ich den Fisch auf der Matte hatte. Ein Schuppi um die 18 Pfund herum voll mit Geschwüren.
Daher machte ich schnell, um den Fisch nicht weiter zu verletzen und lichtete ihn nicht ab sondern entließ ihn direkt wieder ins Wasser.

Doch erfreulich war die Erkenntnis, dass die Fische wohl wieder fressen und daher fütterte ich den Platz wieder stetig. Da ich nun ein Boot hatte schaute ich mir am Tag neue Stellen an die ich schon seit längerem im Visier hatte.

Lasst es krachen!!!
Die letzte Nacht bahnte sich an und am Morgen wollte ich abbauen... Nun am Tage tat sich mal wieder nichts und ich genoss das schöne Wetter. Nun schreibe ich auch die letzten Zeilen dieses Berichtes…also fahrt ans Wasser und lasst es ordentlich krachen.

Tight lines!

Christian Keßler


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